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Die Schafrassen der Transhumanz

und die Kunst, Unterschiede zu erkennen

Die Schafrassen der Transhumanz

und die Kunst, Unterschiede zu erkennen

Schafrassen bei der Transhumanz im Schnalstal

Der Schafbestand in Südtirol schwankte in den letzten hundert Jahren deutlich. Während es 1929 noch 61.857 Schafe gab, waren es 1970 nur noch 25.271 Schafe. 2018 zählte man 40.114 Schafe. Es sind vor allem autochthone Schafrassen, die am häufigsten beim Schaftrieb anzutreffen sind: Tiroler Bergschaf, Tiroler Steinschaf, Schnalser Schaf und das Villnösser Brillenschaf. Es gibt aber auch Bauern, die Schafrassen aus der Schweiz halten und beim Schaftrieb mitschicken: Walliser Schwarznasenschaf und Juraschaf. Vereinzelt trifft man auch Suffolk Schafe (eine Rasse aus England).

Gerade die autochthonen Rassen, aber auch das Walliser Schwarznasenschaf, sind prädestiniert für das Hochgebirge, auch wenn die Tiere in den letzten Jahrzehnten immer schwerer geworden sind. Der extreme Preisverfall bei der Schafwolle hat dazu geführt, dass Schafrassen mehr in Richtung Fleisch und Gewicht gezüchtet wurden. Das Bergschaf ist aber kein perfektes Fleischschaf. Daher sieht man auch vermehrt Juraschafe auf den Bergen Südtirols weiden, weil diese viel Fleisch ergeben.

Allerdings ist diese Rasse nicht so „geländegängig“ und manche Tiere haben Schwierigkeiten, nach dem Winter den beschwerlichen Aufstieg auf die 3.000 m hohen Jöcher zu schaffen. Das Erscheinungsbild der typischen Rassen wird von Merkmalen des Bergamasker Schafes bestimmt. Die Hörner wurden bei diesen Schafrassen weggezüchtet. Manche Steinschafzüchter setzen aber wieder bewusst auf gehörnte Widder.

Hans Haid merkte dazu in seinem 2010 erschienen Buch „Das Schaf“ an: „Bei den großen Schaftrieben von Südtirol ins Ötztal über das Timmelsjoch, Niederjoch und Hochjoch befinden sich unter den zusammen etwa 5.000 Schafen maximal zwei oder drei Widder mit Hörnern. Aber beim Triumphbogen am Schafhaag in Vernagt im Schnalstal ist selbstverständlich der Widder mit Hörnern ein notwendiges Symbol.“

Schnalser Schaf

Das Schnalser Schaf ähnelt dem Tiroler Bergschaf und den Unterschied zwischen den beiden zu erkennen, ist eine Kunst für sich. Am ehesten kann man das Schnalser Schaf noch an der ausgeprägten Nasenfalte erkennen.

Es entstand aus dem Bergamasker Schaf mit Einkreuzungen slowenischer Schafrassen. Das Ursprungszuchtgebiet sind einige Seitentäler des Vinschgau. Die Widder erreichen ein Gewicht von 80 bis 110 kg.

Tiroler Bergschaf

Das Bergschaf ist das heute typische Südtiroler Schaf. Allerdings ist die Rasse keine hundert Jahre alt. Die Zucht nahm 1938 in Nordtirol seinen Anfang. Die Rasse entstand auf Basis lokaler Steinschafe durch Einkreuzung des Bergamasker Schafes.

Dieses Schaf ist weiß („pigmentfrei“) und mittel- bis großrahmig, wurde aber mit der Zeit immer größer. Widder erreichen heute ein Gewicht von bis zu 130 kg. Zum Vergleich: Das Alpine Steinschaf, das es in Südtirol heute praktisch nicht mehr gibt, hatte bis vor 100 Jahren noch ein Gewicht von ca. 30 bis 40 kg.

Braunes Bergschaf

Die Zahl der Braunen Bergschafe nimmt seit ca. 2000 teilweise rapide zu, wie bei den großen Schaftrieben über die Jöcher der Ötztaler Alpen zu beobachten ist. Unter den etwa 1.800 bis 2.000 Schafen, die über das knapp 3.000 m hohe Niederjoch am Similaun vorbeiziehen, steigt der Anteil kontinuierlich von knapp zehn Prozent auf jetzt nahezu dreißig Prozent (Stand 2010). Eine verwandte Rasse ist das Schwarzbraune Bergschaf.

Villnösser Brillenschaf

Es wird oft behauptet, dass dies die älteste Schafrasse Südtirols sei. Doch es ist erst im Laufe des 19. Jahrhunderts aus Kreuzungen von autochthonen Landschafen mit Bergamaskerschafen und vor allem auch Paduanerschafen entstanden. Es ist genetisch dem Kärntner Brillenschaf sehr ähnlich. Das unverkennbare Merkmal dieser Schafrasse sind die „Brillen“, also die schwarze Umrandung („Pigmentierung“) rund um die Augen.

Tiroler Steinschaf

Das Tiroler Steinschaf ist eine aus Nordtirol stammende Schafrasse. Die Zucht wurde 1969 im Zillertal begonnen. Es hat mit dem Alpinen Steinschaf, wie es bis um 1900 in den Ostalpen und Südtirol verbreitet war, aber heute fast nicht mehr vorkommt, nur mehr wenig gemeinsam. Das heutige Tiroler Steinschaf ist auch deutlich größer als das alte Alpine Steinschaf: Ersteres erreicht ein Gewicht von bis 100 kg, die alte Rasse nur 30 bis 40 kg. Eine Gemeinsamkeit ist aber die Wollfarbe: Die Schafe haben verschiedene Farben von grau, über schwarz bis weiß. Die Widder tragen geschwungene Hörner.

Literaturtipp: Hans Haid: Das Schaf. Eine Kulturgeschichte. Böhlau Verlag Wien, 2010. ISBN: 978-3-205-78442-5
Kurzpräsentation der Schafrassen mit Bildern: https://www.kleintierzucht.it/schafe.html