Im Herzen des Projekts Schnals – Dorf in Bewegung liegt der Campus Transhumanz (ICH Parc), der aus einem gemeinsam mit der Schnalstaler Gemeinschaft entwickelten Forschungsprozess hervorgegangen ist. Ziel ist es, die Tradition der Wanderviehwirtschaft zu erzählen und zu bewahren. Der Campus folgt den saisonalen Routen von Hirten und Herden entlang der Bergrücken und vermittelt ein Zugehörigkeitsgefühl, das über die 1919 gezogenen Grenzen hinausgeht. Die Ausstellung ist Teil eines umfassenden Programms zur Stadterneuerung und erstreckt sich über drei historische Gebäude – das Haus Schmied, die Gorfer-Mühle und die Brugger-Hof, die aus anderen Bereichen des Tals hierher versetzt und originalgetreu wieder aufgebaut wurden.

Das Haus Schmied ist der obere Teil eines Wohnhauses aus dem 16. Jahrhundert, das einem Schmied gehörte. Es besteht aus einem Steinsockel und einem zweigeschossigen Aufbau, der in Blockbauweise (Blockbau) errichtet wurde, mit an den Ecken verkeilten und aufeinandergeschichteten Stämmen. Das typische Schindeldach der Bergregionen Südtirols bestand aus über Kreuz verlegten Brettern, die mit Steinen beschwert wurden. Als Einstieg in den Ausstellungsrundgang bietet das Schmiedehaus Informationsmaterial, digitale Stationen und 3D-Brillen für ein erstes Eintauchen in die Welt der Transhumanz.
Die Gorfer-Mühle wurde seit dem 15. Jahrhundert zum Mahlen von Roggen und anderen Getreidesorten genutzt. Ihre Struktur bezeugt die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft, Viehzucht und Wanderviehwirtschaft. Im Erdgeschoss wird das Mühlwerk
erklärt: Das Mühlrad wurde durch ein von oben zugeleitetes Wasserrinnsal angetrieben, dessen Bewegung sich auf eine senkrechte Welle und von dort auf den Mahlstein übertrug. Die Anlage konnte auch zur Tuchwalkerei, Metallverarbeitung oder Holzbearbeitung genutzt werden.
Der im 16. Jahrhundert erbaute Brügger-Hof weist die typischen Merkmale der traditionellen südtirolerischen Stein- und Holzarchitektur auf. Im Erdgeschoss befand sich der Stall, in dem das Vieh während der Wintermonate Schutz fand. Als zentraler Ort der Beziehung zwischen Bauer und Tier war er so gegliedert, dass die Schafe in einem eigenen, geschützten Bereich untergebracht wurden. Die Ausstellung befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch, Tier und Landschaft. Gegenstände wie der aus Haselholz geschnitzte Schafhaken oder die Glocken erzählen von der Verbindung zwischen Mensch und Herde. Ein Hauptbuch aus dem 18. Jahrhundert, das der Agrargemeinschaft Rofenberg gehörte, enthält Verzeichnisse der Hirten und der saisonalen Ausgaben und dokumentiert damit den historischen Charakter der Transhumanz. Projektionen und Klanginstallationen vermitteln zudem ihre sinnliche
Dimension.
Der ehemalige Heuboden des Brügger-Hofs im Obergeschoss war in sechs separate Kammern (Dielen) unterteilt. Hier wurden Futter für die Winterfütterung sowie Getreidegarben bis zur Dreschzeit aufbewahrt. Die Holzkonstruktion sorgte für eine gute Durchlüftung und bewahrte so die Qualität des Heus. Die Ausstellung bietet eine sinnliche Reise, die den Übergang über die Alpenpässe mit den Herden nachstellt: Klänge, Bilder und Steigungen lassen die Eindrücke des Weges lebendig werden, während ein Lichtstrahl den Besuchenden den Weg weist.








