
Hans Haid
österreichischer Volkskundler, Bergbauer und Mundartdichter

Foto: Hans Hofer
Hans Haid (1938-2019) war ein österreichischer Volkskundler, Mundartdichter und Aktivist, der sich zeitlebens für die Bewahrung und Förderung der alpinen Kultur und Umwelt engagierte. Geboren und aufgewachsen in der Region Ötztal in Tirol, entwickelte er schon früh eine enge Verbindung zu seiner Heimat und den dort lebenden Menschen. Diese Verbundenheit prägte sowohl sein berufliches als auch sein künstlerisches Schaffen.
Leben und Werk
Hans Haid studierte Volkskunde, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er als Lehrer und setzte sich gleichzeitig intensiv mit der regionalen Kultur und den Traditionen des Ötztals auseinander. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Erfassung und Bewahrung der Mundart, der Volksbräuche und der traditionellen Lebensweisen.
Als Mundartdichter veröffentlichte Haid zahlreiche Gedichtbände, in denen er die Sprache und das Leben der alpinen Bevölkerung in den Mittelpunkt stellte. Seine Gedichte sind geprägt von einer tiefen Naturverbundenheit und einem feinen Gespür für die Nuancen der alpenländischen Mundart. Dabei gelang es ihm, die traditionellen Ausdrucksformen in eine moderne, poetische Sprache zu überführen.
Engagement für die Umwelt
Neben seiner Tätigkeit als Volkskundler und Dichter war Hans Haid ein leidenschaftlicher Umweltaktivist. Er setzte sich vehement für den Schutz der alpinen Landschaften und deren Biodiversität ein. In den 1970er Jahren engagierte er sich gegen den Ausbau der Wasserkraftwerke in den Alpen und war Mitbegründer der „Initiative Pro Ötztal“, die sich erfolgreich gegen den Bau von Großkraftwerken im Ötztal zur Wehr setzte. Seine Umweltaktivitäten brachten ihm Anerkennung, aber auch Widerstand seitens der wirtschaftlichen und politischen Interessengruppen ein.
Kulturelle Projekte und Vermächtnis
Hans Haid initiierte und leitete zahlreiche kulturelle Projekte, darunter das Ötztaler Heimatmuseum und das „Ötztaler Mundartarchiv“. Diese Einrichtungen widmen sich der Sammlung, Dokumentation und Präsentation der regionalen Kultur und Geschichte. Durch seine Arbeit trug Haid maßgeblich dazu bei, das kulturelle Erbe des Ötztals zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Sein Engagement und sein künstlerisches Werk wurden vielfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Tiroler Landespreis für Kunst und den Österreichischen Naturschutzpreis. Hans Haid hinterließ ein reichhaltiges kulturelles Erbe, das auch nach seinem Tod weiterlebt und als Quelle der Inspiration für nachfolgende Generationen dient.
Schlusswort
Hans Haid war eine herausragende Persönlichkeit, die es verstand, die Traditionen und die Sprache seiner Heimat auf eine zeitgemäße und künstlerisch anspruchsvolle Weise zu bewahren und zu fördern. Sein Einsatz für die Umwelt und die kulturelle Identität des Ötztals macht ihn zu einem wichtigen Vertreter der alpenländischen Kultur und einem Vorbild für den aktiven Schutz von Natur und Tradition.
Suugelen Suugelen
suugelen suugelen
höörla leck leck leck
höörla leck leck leck
decht nit
drschtickn vrhungrn vrreckn
parge völl suugelen
schallen drumummha
lompm und groosn
und roppm an felsnen
worchtn und passn
gahe draunocha
öögn auspiekn
gaaling dr töet
suugelastöet
drschticket vrhungrcht vrleent
höörla leck leck leck
und wiidr di nöet und dr töet
und di freede
eppan wöll und asö …
schafe kommt, kommt
höörla leck leck leck
höörla leck leck leck
bloß nicht
ersticken verhungern verrecken
berge voll schafe
rundherum glocken
lämmern und grasen
und raben auf den felsen
warten und passen
knapp drumherum
augen aushacken
bald darauf der tod
der schafestod
erstickt verhungert lawinenverschüttet
höörla leck leck leck
und wieder die not und der tod
und die freude
etwas ja und so weiter
Dieses Gedicht wurde publiziert in:
TIROLER LAND wie bist du …? Eine musikalisch-literarische Reise.
BONA EDITIO – Thomas Ploder, Mötz 2009 (S. 134), mit CD
Gedicht gelesen vom Autor, mit Musik von Marcello Fera (CD Track 5, 1:30)

2012 anlässlich der Ausstellung von Pro Vita Alpina zum Thema Schaftrieb im Infopoint des Ötztal Tourismus in Ambach, Ötztal. Das Foto zeigt eine Gruppe, die Barbara Haid, Tochter von Hans Haid, im September 2012 zum Schaftrieb begleitet hat sowie zwei Journalisten. Infos zur Vernissage der Ausstellung: https://www.meinbezirk.at/imst/c-lokales/einladung-zur-ausstellungseroeffnung-schafe-sind-in-der-galerie-im-infopoint-des-oetztal-tourismus-in-ambach_a332965
Schoofe (Schafe)
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schäfchen mutterschaf mit der schelle kastriertes schaf widder hornloser widder kleiner hornloser widder junges weibliches schaf mit milch aufgezogenes lamm ein jahr altes schaf stechschaf schafbraten immer dasselbe eine solche freude und guten appetit

Mit Hans „Walmtaler“ Niedermaier (gest. 2023) mit den Schafen unterwegs (Foto: Alfward Farwer, 2009)
Das Foto dokumentiert schön, wie Hans Haid immer wieder mit den Schafen mitgegangen ist und sich mit den Treibern unterhalten und Informationen gesammelt hat.




















