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Künstler

Hansi Platzgummer

Hansi Platzgummer

Künstler aus dem Schnalstal

„Immer ist er da, der Similaun.“
Hansi Platzgummer über den Berg, der sein Leben und seine Kunst geprägt hat

Der 1952 geborene Hansi Platzgummer ist – wie sein Bruder Sepp – ein Schnalser Urgestein, sein ganzes Leben eng verwoben mit dem Similaun, der Natur, der Mystik des Tals. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in seinen Bildern wider. Im folgenden Gespräch gewährt er Einblicke in seinen Werdegang als Künstler – und in sein umfangreiches Wissen zur (natur)geschichtlichen Entwicklung des Schnalstals.

Du arbeitest seit vielen Jahren als Maler. Wie bist du zur Kunst gekommen und welche Rolle haben das Schnalstal und insbesondere der Similaun dabei gespielt?

Ja, das mit der Kunst hat sich einfach so ergeben … Gezeichnet habe ich ja immer schon, aber so richtig intensiv beschäftige ich mich damit erst in den letzten Jahren. Angefangen habe ich mit Aquarellmalerei, mit dem Zeichnen der Höfe des Tals, wie sie sich in die Landschaft schmiegen, harmonisch und stolz zugleich. Irgendwann habe ich dann begonnen, mit Naturpigmenten und Erden zu arbeiten. In der Natur entstehen durch verschiedenste Vorgänge diese schönen, grau-blaue, ocker oder auch rötliche Erden und Lehme. Ich bearbeite sie und mache Pigmente daraus, die verarbeite ich dann mit Wasser in einer Art Fresko-Technik zu Strukturbildern, die etwas abstrakt erscheinen. Also was heißt abstrakt – näher an der Natur als mit diesen Pigmenten könnte ich ja gar nicht sein. (lacht)
Was mich außerdem nach wie vor – in der Kunst und im Leben – fasziniert, sind die Schafe und wie sie unsere Landschaft und die Menschen im Schnalstal prägen. Sie finden sich häufig in meinen Bildern wieder. Ohne das Schaf gäbe es das Schnalstal in seiner jetzigen Form ja nicht, die Landschaft ist über Jahrtausende so entstanden, beeinflusst durch das Weiden der Tiere. Ich bin überzeugt davon, dass der Mensch dem Schaf gefolgt ist und nicht umgekehrt. Schafe sind hervorragende Wegbereiter, sie finden überall einen Durchgang. Und sie waren natürlich lange Zeit die wichtigste Lebensgrundlage für die Schnalser Bevölkerung, ernährungstechnisch und auch wirtschaftlich. Ich glaube, dass die Wege der Schafe die Urwege des Tals sind. Wenn man diesen Wegen folgt, findet man auch die ältesten Spuren der Menschen – Schalensteine, Brandopferplätze, usw. Der „Ötzi“, die berühmte Gletschermumie, war auch schon auf diesen Wegen unterwegs. Auf diesen Wegen finde ich immer wieder Inspiration für meine Kunst.

Weil du den Ötzi ansprichst: Du hast als Kind und später auch als Erwachsener ja viel Zeit auf der Similaunhütte verbracht, die über 100 Jahre im Besitz deiner Familie ist und auf dem Weg zur Fundstelle des Mannes aus dem Eis liegt. Wie hast du diesen historischen Fund erlebt?

Die Similaunhütte war sozusagen meine zweite Heimat, ja, da haben sich die Abenteuer meiner Kindheit abgespielt. Als der Ötzi gefunden wurde, war das zunächst keine große Sache. Man dachte, es sei ein vermisster Bergsteiger, hat die Leiche geborgen und die Fundstelle gesichert. Ich kann mich erinnern, dass mich mein Neffe an dem Tag von der Similaunhütte angerufen hat und zu mir sagte: ‚Das ist aber ein komischer Bergsteiger, so einen hab ich noch nie gesehen, der hat Heu in den Schuhen und einen ganz seltsamen Eispickel dabei!‘ (lacht) Erst später wurde die Bedeutung des Fundes klar – und dann kamen natürlich viele Wissenschaftler aus allen Bereichen auf die Hütte: Archäologen, Botaniker, Geologen, aber auch Matriarchats- und Mythenforscher. Ich war mit vielen von ihnen unterwegs, das war sehr interessant und hat mir viel Wissen gebracht. Die Gegend wurde ja unter allen erdenklichen Gesichtspunkten untersucht. Da hab ich das Schnalstal und seine Bergwelt von einer ganz neuen Seite kennengelernt.

Welchen Bezug haben denn Matriarchats- und Mythenforscher zum Similaun?

Man weiß heute, dass der Name Similaun auf die vorindogermanische Bezeichnung Sam Alu Ana zurückgeht, was in etwa ‚Weiße Göttin Ana‘ bedeutet. Ana steht für Erdmutter. In der Vorstellung der Bergvölker waren die meisten Berge ursprünglich weiblich, sie galten mit ihren Quellen und Weideplätzen als Lebensspender, darum auch die weiblichen Namen. Man geht ja davon aus, dass in der Jungsteinzeit das Matriarchat in Mitteleuropa die vorherrschende Gesellschaftsform war – das Patriarchat und die männliche Namensgebung haben sich erst später durchgesetzt. Betrachtet man die Lage des Similaun, so ist er ein ganz besonderer Berg. Insbesondere als geografische Orientierungshilfe: Von Juval kommend, hat man den Similaun vor sich, genauso von Vent aus, und auch aus dem Passeiertal oder vom Taschljöchl im Vinschgau – immer ist er da, der Similaun. Das ist auch der Grund, warum er in vielen Sagen auftaucht, beispielsweise ‚Den drei Saligen‘.

Die große Bedeutung unserer Bergwelt zeigt sich an zahlreichen Orten. Neben Ötzi wurden noch weitere Funde gemacht, die beinahe genauso interessant und wichtig sind: In der Finailgrube auf 2.400 m gab es z.B. einen Brandopferplatz. In dessen Kohleschichten wurden Tierknochen gefunden, aber auch Glasperlen aus dem Mittelmeerraum und Bernstein von der Ostsee. Die Schichten datieren zurück bis in die Bronzezeit, also bis etwa 1.800 v. Chr.. Das heißt, dass diese Übergänge und Hochweiden schon damals als Verbindung von der Ostsee bis hinunter ans Mittelmeer genutzt wurden.

Der Berg wird heute von vielen Menschen bestiegen, mit den Skiern befahren, überquert. Möglich gemacht hat das auch die Gletscherbahn. Wie siehst du die touristische Erschließung des Schnalstals und die Entwicklung, die das Tal dadurch erlebt hat?

Um etwas zu verändern, braucht es immer Menschen mit Ideen, Plänen und der Kraft, diese auch umzusetzen. Die Gletscherbahn war für das Tal eine wichtige Entwicklung, auch wenn dadurch natürlich vieles anders geworden ist.
Früher bedeutete Bergsteigen wirklich ein Sich-Hineinwagen in die Natur. Heutzutage bringt man Bergsteigen eher mit „Action“ in Verbindung. Viele starten im Tal, gehen an einem einzigen Tag auf den Gipfel und wieder zurück. Was heute zählt, sind die Höhenmeter und die Distanzen, da wird genau in Etappen eingeteilt, man setzt sich Zeitlimits usw. Das ist fast ein Wettbewerb. Viele erleben dabei die Natur nicht mehr wirklich, denn dafür muss man sich Zeit nehmen – und Zeit ist heutzutage Mangelware. Aber vielleicht ist das auch einfach das Gerede eines alten Mannes! (lacht)
Die Natur ist eben nicht schnelllebig. Wenn man sich aber auf sie einlässt, hält sie so viel Staunenswertes bereit – gerade in den Bergen, gerade hier im Schnalstal, mit seiner Ursprünglichkeit. Und das kann man auch heute noch erleben, trotz aller Veränderungen.

Martin Rainer

Martin Rainer

Künstler

Martin Rainer wurde 1923 auf dem Örlerhof im Schnalstal geboren. Schon als Kind begann er, während er die Herde seines Vaters hütete, Holzfiguren zu schnitzen, und sein ganzes Leben lang waren seine Werke von dieser archaischen, von tiefer Religiosität geprägten Hirtenwelt inspiriert.

Nach seiner Rückkehr in die Heimat am Ende des Zweiten Weltkriegs und nach einer Zeit der Gefangenschaft in einem amerikanischen Lager in der Nähe von Neapel, in der er weiterhin Holzschnitzereien schuf, mit denen er sogar den ersten Preis in einem unter den Gefangenen veranstalteten Wettbewerb gewann, setzte er seine Arbeit im Kunstlager fort.

Im Jahr 1947 besuchte er die Kunstschule in Gröden und später die Akademie der Bildenden Künste in München. In den 1960er Jahren wurde sein Heimatbauernhof und andere Höfe abgerissen, um Platz für den Vernago-Stausee zu schaffen. 1964 zog er nach seiner Heirat mit seiner Familie nach Brixen, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2012 tätig blieb.

So begann er, auf Bestellung Kleinplastiken und Porträts zu schaffen, darunter auch die seiner sieben Kinder. Im Laufe seiner sehr langen künstlerischen Karriere versuchte er sich an Holz, Terrakotta und Bronze und schuf Statuen, Medaillen, Flachreliefs und hinterließ uns unzählige Meisterwerke, die zahlreiche Privatsammlungen sowie öffentliche Werke in der ganzen Provinz Bozen bereichern.

Ein roter Faden, der vielleicht nicht immer erkennbar ist, verbindet seine Werke mit seinen Jugenderfahrungen: Ich denke an die Figuren, die seine Krippen beleben, die reich an kleinen Details sind und die, obwohl sie von seiner akademischen Erfahrung beeinflusst sind, die Wurzeln seines Heimattals beibehalten. Diese unzähligen Figuren und Situationen erinnern in dreidimensionaler Form an bestimmte Gemälde von Hieronymus Bosch; kurz gesagt, Martin Rainer ist ein Geschichtenerzähler ersten Ranges. Sein berühmtestes Werk ist zweifellos der monumentale Lebensbrunnen auf dem Brixner Domplatz. Auf dem mit Wasser gefüllten Marmorbecken, dem Symbol des Lebens, ruht eine elegante, schraubenförmige Bronzepyramide, die mit allegorischen Figuren geschmückt ist. Ein weiterer Brunnen vor der Schnalstaler Pfarrkirche zeigt den guten Hirten umgeben von seinen Schafen, und in diesem Fall ist der Rahmen des Werks die alpine Landschaft seines Heimattals. Schafe, Hirten, Bergsteiger, Jäger und Beute: ein Mikrokosmos, gesehen mit profundem Wissen und einem Hauch von Ironie, sind seine Lieblingsthemen.

Martin Rainer, an den sich alle erinnern, dass er immer bescheiden gekleidet war, hat zahllose Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, aber von allen möchte ich den Walther-von-der-Vogelweide-Preis und die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Schnals erwähnen, die er besonders geschätzt hat. Dutzende von Biografien und Katalogen, die im Laufe der Jahre veröffentlicht wurden, tragen dazu bei, die Erinnerung an den Künstler und sein Werk wach zu halten.

Friedrich Gurschler

Friedrich Gurschler

Künstler

Geboren wurde er 1923 in Unser Frau in Schnals. Sein Onkel Luis hat ihm das Schnitzen beigebracht und schon früh entdeckte er die Leidenschaft für diese Kunstform. Nach dem Kriegsdienst arbeitete er drei Jahre als Knecht im Schnalstal. Danach besuchte er die Kunstschule St. Ulrich in Gröden.

Von 1953 bis 1958 studierte Friedrich Gurschler an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg Bildhauerei. In Nürnberg hat er die wesentlichen Prinzipien der Bildhauerei kennen gelernt. Intensiv beschäftigte er sich mit dem Studium der Tieranatomie. Der Nürnberger Zoo befand sich neben der Kunstakademie. Er nutzte diese Gelegenheit um auch exotische Tiere kennen zu lernen. Nach seinem Studium kehrte er nach Südtirol zurück. Seitdem lebte und arbeitete er als freischaffender Künstler in Töll/Partschins. Fast sein halbes Leben lang schnitzte Friedrich Gurschler an zwei großen Krippen. Sie erzählen von seinen christlichen Wertevorstellungen und zeigen die Tier und Menschenwelt seiner Umgebung. Seine Herkunft aus dem Schnalstal und seine Bindung an die Kultur des Vinschgau zeigen sich hier besonders.

Zum 90. Geburtstag von Friedrich Gurschler veranstaltete das Kuratorium Schloss Kastelbell ihm zu Ehren eine Ausstellung. Friedrich Gurschler prägte die Kunst in Südtirol vor allem mit seinen Arbeiten im öffentlichen Raum, in Kirchen, Friedhöfen und auf Plätzen. Er war Ehrenbürger von Partschins und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Walther-von-der-Vogelweide-Preis.

Friedrich Gurschler war ein sehr naturverbundener und gleichzeitig religiöser Mensch. „In den einsamsten Orten in den Bergen und nachts bei der Beobachtung des Sternenhimmels erlebe ich das Geheimnisvollste und fühle mich mit der Großartigkeit der Schöpfung sehr verbunden.“ Das hat sein Leben und seine Werke geprägt.

Quelle: Vinschgerwind / Peter Tscholl
https://www.vinschgerwind.it/menue-lokalwirtschaft/item/31105-friedrich-gurschler-gedenken-toell-partschins-schnals-vinschgau